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Bodymind-Psychotherapie bei psychosomatischer Migräne: Ursachen & Behandlung


Mann mit Migräne hält sich die Stirn.
Foto bei Andrea Piacquadio

Migräne ist nicht nur ein neurologisches Phänomen, sondern auch eng mit psychischen und körperlichen Prozessen verbunden. Besonders bei psychosomatischer Migräne, bei der emotionale und körperliche Belastungen eine zentrale Rolle spielen, kann die BodyMind-Psychotherapie eine wirkungsvolle Methode zur langfristigen Linderung sein.


Achtung: Alle somatischen Ursachen müssen mehrmals von verschiedenen Fachärzt*innen untersucht werden, bevor eine psychosomatische Migräne diagnostiziert wird!



Was ist psychosomatische Migräne?


Psychosomatische Migräne tritt auf, wenn seelische Belastungen und unverarbeitete Emotionen den Körper so beeinflussen, dass sie sich in wiederkehrenden Kopfschmerzen oder Migräneanfällen manifestieren. Häufige psychische Auslöser sind:


  • Chronischer Stress und Überforderung 

  • Emotionale Konflikte oder unterdrückte Gefühle 

  • Ängste, Perfektionismus und übermäßiger Leistungsdruck 

  • Traumatische Erfahrungen oder belastende Kindheitserlebnisse 


Diese Faktoren aktivieren das autonome Nervensystem, erhöhen die Muskelspannung (z. B. im Nacken, Kiefer oder Schultern) und führen zu einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit.



Wie hilft BodyMind-Psychotherapie bei Migräne?


BodyMind-Psychotherapie kombiniert körperorientierte Techniken mit psychotherapeutischen Methoden, um den Zusammenhang zwischen Psyche und Körperbewusstsein zu stärken. Dabei geht es nicht nur um die kognitive Verarbeitung von Emotionen, sondern auch um die körperliche Wahrnehmung und Regulation.


1. Stressreduktion und Emotionsregulation

Viele Migräneanfälle entstehen durch anhaltenden Stress oder unterdrückte Emotionen.


  • Visualisation und Meditation helfen, den Körper bewusster wahrzunehmen und Stressreaktionen zu regulieren. 


  • Körperorientierte Techniken wie Atemübungen oder sanfte Bewegungen lösen Verspannungen und fördern das Gefühl von Kontrolle. 


  • Gefühlsregulation ermöglicht es, emotionale Trigger besser zu identifizieren und zu verarbeiten. 


  • Neuroaffektive Regulation kann durch achtsame Körperwahrnehmung helfen, emotionale Spannungen direkt auf physiologischer Ebene abzubauen. 


2. Veränderung dysfunktionaler Gedankenmuster

Negative Gedanken wie „Ich bin der Migräne hilflos ausgeliefert“ oder „Ich muss perfekt sein“ verstärken die Anspannung und damit die Schmerzanfälligkeit.


  • Durch kognitive Umstrukturierung können destruktive Überzeugungen hinterfragt und verändert werden. 


  • Selbstmitgefühl und Akzeptanz helfen, weniger gegen den Schmerz zu kämpfen und stattdessen neue Umgangsweisen zu entwickeln. 


  • Innere-Anteile-Arbeit kann unterstützend wirken, um wiederkehrende Muster aus der Kindheit zu identifizieren und aufzulösen, die Migräne triggern könnten. 


  • Körperliches Grounding und Zentrierung kann helfen, Grübeln zu stoppen und migräneinduzierenden Stress zu reduzieren. 


3. Körperarbeit und Spannungsregulation

Migräne ist oft mit erhöhter Muskelspannung verbunden – insbesondere in der Kiefer-, Nacken- und Schulterregion.


  • Selbsthypnose oder Tapping helfen, chronische Muskelanspannungen abzubauen und die autonome Regulation des Nervensystems zu fördern. 


  • Emotional and Relational Embodiment (ERE) oder Trauma-Integrationstechniken unterstützen die Freisetzung von blockierten Emotionen. 


  • Bewusstes Atmen, Yoga und Meditationstherapie fördern eine verbesserte Körperwahrnehmung und Entspannung. 


  • Muskuläre und Faszientherapie kann dabei helfen, tiefe Spannungsmuster in Bindegewebe und Muskulatur zu lösen, die sich durch emotionale Anspannung verfestigt haben. 


  • Masseter- und Temporalis-Entspannungstechniken (z. B. Kieferlockerung oder sanfte Mobilisation) können gezielt migräneauslösende Verspannungen reduzieren. 



Warum genau die Kaumuskulatur?


Psychische Funktionen des Masseter- und Temporalis-Muskels im Bodynamic-System

Die psychischen Funktionen des Masseter- und Temporalis-Muskels im Bodynamic-System sind mit Durchsetzungsvermögen, Kontrolle und emotionaler Regulation verbunden. Diese Muskeln spielen eine zentrale Rolle in der körperlichen und psychischen Verarbeitung von Willensstärke, Impulskontrolle und emotionalen Spannungen.


Masseter-Muskel: Selbstbehauptung und Willenskraft

  • Der Masseter gilt als einer der stärksten Muskeln des Körpers und symbolisiert Willenskraft, Selbstbehauptung und Durchsetzung. 

  • Menschen, die häufig „die Zähne zusammenbeißen müssen“, könnten unbewusst eine dauerhafte Anspannung dieses Muskels entwickeln. 

  • Eine chronische Verspannung kann darauf hindeuten, dass sich eine Person zurückhält oder sich innerlich gezwungen fühlt, sich anzupassen. 


Temporalis-Muskel: Impulskontrolle und unterdrückte Wut

  • Der Temporalis ist eng mit der Regulation von Impulsen und der Kontrolle von Emotionen, insbesondere Wut, verbunden. 

  • Eine chronische Anspannung des Temporalis kann das Nervensystem in einen Hyperarousal-Zustand versetzen, was die Schmerzempfindlichkeit und die Migräneanfälligkeit erhöht. 



Fazit: Die Kraft der integrativen Heilung


Migräne ist mehr als nur ein Kopfschmerz – sie ist oft Ausdruck innerer Spannungen und ungelöster Emotionen. BodyMind-Psychotherapie kann helfen, diese Verbindungen zu erkennen und zu transformieren. Indem der Körper als Schlüssel zur Selbstregulation genutzt wird, können Betroffene nicht nur ihre Migräneanfälle reduzieren, sondern auch ein tieferes Gefühl von Selbstwirksamkeit und Wohlbefinden entwickeln.


Ein ganzheitlicher Ansatz, der kognitive, emotionale und körperliche Komponenten vereint, bietet nachhaltige Linderung, indem er nicht nur Symptome behandelt, sondern deren psychosomatische Wurzeln integriert löst.

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